Konferenz für Weltmission und Evangelisation


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Jakobus 4,13

Néstor O. Míguez

Und nun ihr, die ihr sagt: "Heute oder morgen wollen wir in die oder die Stadt gehen und wollen ein Jahr dort zubringen und Handel treiben und Gewinn machen," 14 und wisst nicht, was morgen sein wird. Was ist euer Leben? Ein Rauch seid ihr, der eine kleine Zeit bleibt und dann verschwindet. 15 Dagegen solltet ihr sagen: "Wenn der Herr will, werden wir leben und dies oder das tun." 16 Nun aber rühmt ihr euch in eurem Übermut. All solches Rühmen ist böse. 17 Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut's nicht, dem ist's Sünde. 5, 1 Und nun, ihr Reichen: Weint und heult über das Elend, das über euch kommen wird! 2 Euer Reichtum ist verfault, eure Kleider sind von Motten zerfressen. 3 Euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird gegen euch Zeugnis geben und wird euer Fleisch fressen wie Feuer. Ihr habt euch Schätze gesammelt in diesen letzten Tagen! 4 Siehe, der Lohn der Arbeiter, die euer Land abgeerntet haben, den ihr ihnen vorenthalten habt, der schreit, und das Rufen der Schnitter ist gekommen vor die Ohren des Herrn Zebaoth. 5 Ihr habt geschlemmt auf Erden und geprasst und eure Herzen gemästet am Schlachttag. 6 Ihr habt den Gerechten verurteilt und getötet, und er hat euch nicht widerstanden.

"In seinem Naaaaaamen... " ruft der Prediger laut. "Ehre sei Gott", antwortet eine jubelnde Menge, in der einfache Menschen, herumrennende schmutzige Kinder und Jugendliche mit deutlichen Spuren von Alkohol und Drogen auszumachen sind. Diese Antiphon wiederholt sich drei-, viermal, und jedes Mal werden die Rufe lauter. Manche fallen in Ohnmacht, andere geraten in Ekstase. Vor unseren Augen spielt sich eine Kampagne der Pfingstler in einem der Randbezirke einer übervölkerten lateinamerikanischen Großstadt ab. Ähnliches können wir mit geringfügigen Abweichungen aber auch in Los Angeles oder Kapstadt und sogar in Oslo erleben. In denselben Städten singt eine ähnliche Menschenansammlung an anderer Stelle alte Litaneien, betet den Rosenkranz oder schleppt sich im Süden von Italien oder in Manila auf einer Wallfahrt an dem Bild einer Madonna vorbei. Wir sehen junge Buddhisten in ihren orangefarbenen Gewändern auf öffentlichen Platz in New York oder Genf tanzen oder vegetarische Kost in einem öffentlichen Verkehrsmittel in Buenos Aires anpreisen. In Frankreich kommt es zu einer Auseinandersetzung mit jungen Musliminnen, die den "Tschador" in der Schule tragen wollen. Globalisierung ist auch ein religiöses Phänomen.

In den meisten Großstädten der Welt gibt es Schnellimbiss-Stuben. Vor Internet-Geräten lassen sich Junge und Alte nieder, um sich mit Spielen im Internet die Zeit zu vertreiben. In vielen Teilen der Welt wird für Sportmode derselben Marken geworben. Fußball ersetzt im Herzen Afrikas die traditionellen Kinderspiele oder ist an den nordamerikanischen Universitäten der letzte Schrei der sportlichen Aktivitäten. Dieselbe Sportkette überträgt die Formel Eins im Fernsehen, und das für Menschen, die niemals in ihrem Leben einen Sportwagen gesehen haben. Über die Hälfte der Menschen hat nie im Leben ein Telefon benutzt, doch hängt ihre Ernährung von Telefongesprächen ab, die Tausende von Kilometern von ihrem Wohnort entfernt geführt werden. Die Globalisierung verändert Traditionen und Gebräuche, die Art der Freizeitgestaltung, durchdringt die Medien, bestimmt den Abbruch oder die Fortsetzung solidarischer Hilfsprogramme. Ohne dass wir es merken, prägt sie unsere Lebensgewohnheiten, ob wir nun in einem Dorf im Süden Chiles, in Mindanao oder in Island leben.

Wenn die Börse in New York ihre Pforten schließt, öffnet die Börse in Tokio, und Hunderte von Millionen Dollars fließen in Sekundenschnelle in elektronischen Transaktionen des virtuellen Finanzmarktes von einem Ort der Welt zum anderen und verschaffen dem Spekulanten Reichtum oder verursachen den Ruin eines Betriebes, in dem Hunderte von Arbeitern beschäftigt sind. Argentinien und Brasilien erzeugen Millionen von Tonnen Soja, das jedoch kaum auf den Tisch seiner Bewohner gelangt, dafür aber ihr wichtigster Exportartikel ist. Demgegenüber leiden Hunderttausende von Kindern in denselben Ländern Hunger. Auch das ist Globalisierung.

Und wenn wir einerseits die öffentlichen Auswirkungen der Globalisierung in der Internationalisierung der Gebräuche oder im Pluralismus der Kulturen und Religionen mit eigenen Augen wahrnehmen können, bewirkt sie, weniger sichtbar, eine in der Geschichte nie da gewesene Anhäufung von Reichtum. Nie zuvor sind so Wenige in den Besitz von so viel Geld gelangt; eine Minderheit der Weltbevölkerung (unter 15 %) verbraucht über 80 % der verfügbaren Ressourcen. Niemals war die Zahl der Armen größer, und niemals war das Gefälle zwischen dem Vermögen der Reichen und dem Elend der Armen so krass. Die rücksichtslose Ausbeutung der natürlichen Ressourcen setzt den Fortbestand menschlichen Lebens auf dem Planeten selbst aufs Spiel, auch für die Reichen. Das ist die Kehrseite der Globalisierung.

Wie reagieren die christlichen Gemeinschaften auf diese Realität? Manche sind froh darüber, dass die Botschaft des Glaubens mit Hilfe der technischen Möglichkeiten alle Enden der Welt erreicht. Wenn aber diese Botschaft nichts daran ändern kann, dass 70 % der Weltbevölkerung in Armut leben, oder wenn sie uns nicht helfen kann, die Gaben der Schöpfung nachhaltig zu nutzen, dann verwandeln sich diese Segnungen in Fluch. Der Jakobusbrief, der in einer Zeit der "Globalisierung" geschrieben wurde, die sich im Römischen Reich vollzog, nimmt die Probleme der Globalisierung des heutigen Herrschaftssystems vorweg: den Hochmut derer, die sich für die Herren der Welt und des Lebens halten, die Anhäufung von Reichtum im Angesicht der Armut der ausgebeuteten, armen Menschen, die Verderbtheit, die sich in einer Welt ausbreitet, die nicht auf die Stimme des Gerechten hört.

Der christliche Glaube hat als erster das hervorgebracht, was wir heute "Globalisierung" nennen, nämlich die weltweite Ausbreitung seiner Botschaft. Seine Globalisierung aber sollte die Liebe, den universalen Ruf zur Barmherzigkeit und die Gerechtigkeit Gottes globalisieren. Die heutige Globalisierung, die weltweite Ausbreitung der Ungleichheit, der kulturelle Imperialismus, der rasche Profit zu Lasten der Schwachen, ist gerade das Gegenteil davon. Deshalb warnt Jakobus, dass diejenigen, die so handeln, zu Feinden der Liebe Gottes werden.

Eine heilende und versöhnende Gemeinschaft zu sein bedeutet daher, eine Gemeinschaft der "anderen" Globalisierung zu sein, die uns der Geist Gottes anbietet; eine Gemeinschaft, die uns in Hoffnung vereint, die sich in Solidarität niederschlägt, die die Identität der anderen achtet und Wege der Gerechtigkeit weist. Eine Gemeinschaft, die zu einer prophetischen Stimme werden kann, wie die Stimme des Jakobus, die vor der Zerstörung warnt, der wir entgegengehen, wenn wir uns an der globalen Profitakkumulation und Ungerechtigkeit beteiligen. Deshalb sind wir berufen, die Botschaft und die Lebensweise zu globalisieren, die Menschen zurückführen zum Gehorsam gegenüber dem Gott der Liebe, zur Bereitschaft zum Dienen, zur Freude an geteiltem Leben: Dies ist das heilende und versöhnende Werk des Heiligen Geistes.

Anregungen für die Bibelarbeit

Das Thema kann uns in ein Gespräch zwischen den Generationen führen (ein weiterer Bereich, den die technische Globalisierung zu zerstören droht). Die Jüngeren können mit ihren Eltern, Großeltern, Verwandten und älteren Freunden sprechen, auch in der Kirche, und herausfinden, was sich im Laufe der letzten Generation in den Sitten und in der Kultur verändert hat. Wir können auch in einer Liste festhalten, wie die Globalisierung auf das Leben in dieser Gemeinschaft einwirkt.

In diese Liste können wir eintragen, welche Vorteile und welche Nachteile jede dieser Veränderungen mit sich gebracht hat. Wir werden feststellen können, dass in manchen Fällen das, was für die einen von Vorteil war, anderen Nachteile bescherte. Oder dass manche angebliche "Wohltaten" sich auf das Gemeinschaftsleben letzten Endes zerstörerisch auswirkten.

Schließlich können wir uns den Abschnitt von Jakobus 4, 13 - 5, 7 auf die Kriterien hin ansehen, nach denen der Apostel zwischen Gut und Böse unterscheidet.

In dem Gespräch kann auch darüber nachgedacht werden, wie wir als Gemeinschaften zu einer Globalisierung der Gerechtigkeit beitragen können, nicht zuletzt in unseren jeweiligen lokalen Bezügen.

Alternativ könnten junge Menschen angeregt werden, Plakate, Poster, Werbeseiten oder Fernsehspots zusammenzutragen, mit denen für "internationale", globale Produkte geworben wird, und sie auf ihre Wertvorstellungen hin zu untersuchen. Das könnte zu einer Diskussion darüber führen, was sich hinter der "globalisierten" Kultur verbirgt. Danach können wir das Ergebnis mit den Werten und Haltungen vergleichen, auf die es Jakobus ankommt. Ein interessantes Thema könnte auch die Kleidung sein, eines der am stärksten internationalisierten Elemente - Jakobus bezeichnet sie als verfault.

Welche "Gegenkultur" können wir mit dem Evangelium entgegensetzen? Wie sähe unsere Werbung für "universale Barmherzigkeit" aus?