Konferenz für Weltmission und Evangelisation


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Heilende und versöhnende kirchliche Dienste in einer Welt voller Gewalt

Heilender kirchlicher Dienst im Allgemeinen
Viele Kirchen in der Gemeinschaft des ÖRK haben eine lange, reiche Tradition der Theorie und Praxis des heilenden Dienstes, vor allem dank der Arbeit, die die Christliche Gesundheitskommission in den Jahren von 1968 - 1991 geleistet hat. Im Rahmen der Vorbereitungen für die Konferenz in Athen sollte über die folgenden Fragen neu nachgedacht werden:

Welches christliche Verständnis liegt dem heilenden Dienst der Kirche zugrunde? Häufig wurde davon ausgegangen, dass Ärzte und Krankenhäuser für den Leib, Psychiater und Psychologen für den Geist und Pfarrer oder Priester für die Seele (durch Seelsorge und Spende der Sakramente) der Kranken zuständig wären. Nichtordinierte sollten die Kranken besuchen. Heute haben sich die Erwartungen an den heilenden Dienst der Kirche und seine begriffliche Bestimmung in der Arbeit vieler Kirchen erheblich erweitert und zu einem interdisziplinären Verständnis weiterentwickelt. Das muss weitergegeben werden. 
Was bedeutet es für eine Kirche, heilende Gemeinschaft zu sein? Sie sollte ein Raum sein, in dem Menschen Schutz finden, die emotional, spirituell und/oder materiell Not leiden. Sie kann ein Raum sein, in dem Menschen einander ihre Geschichten erzählen können, ohne verurteilt zu werden - ein Ort der Anbetung, der Vergebung und der Solidarität. Eine solche Kirche könnte zugleich auch zu einem Ort werden, an dem Versöhnung zwischen Menschen angestoßen oder begleitet werden kann. In diesem Sinne soll Kirche in der größeren Gemeinschaft Frieden stiften.

Zwischen Christen der verschiedenen Traditionen muss der Dialog darüber fortgesetzt oder wieder in Gang gebracht werden, wie sie ihrer Berufung zum heilenden Dienst in ihrem jeweiligen Umfeld gerecht werden.

Auch pfingstlerisch/charismatische und liturgisch/sakramentale Denkansätze müssen miteinander den Dialog aufnehmen.

Dialog ist ferner zwischen dem medizinisch/wissenschaftlichen und dem theologisch/spirituellen Ansatz notwendig.

Interkulturell bedarf es des Dialogs darüber, was wir meinen, wenn wir von Kranksein, Genesung und Heilung sprechen und in welchem Zusammenhang dies mit unserem Glauben und unserem Leben in der Gemeinschaft steht.

Mission in Zeiten von HIV/AIDS

Die HIV/AIDS-Pandemie stellt heute die größte Herausforderung für die Mission dar, weil sie erkennen lässt, wie die kirchlichen Gemeinschaften zu Kranken, zu Menschen, die direkt oder indirekt von der Pandemie betroffen sind, und zu Menschen stehen, die Zuflucht, einen sicheren Ort oder Schutz suchen. Es gibt Kirchen, die mutig zu Orten geworden sind, in denen Menschen Heilung finden; andere haben sich eher als Teil des Problems, denn als Hoffnungsträger erwiesen. HIV/AIDS macht Grundpositionen von Verantwortung, Sünde und Strafe deutlich. Die Pandemie deckt zugleich die wechselseitige Verwobenheit aller Aspekte menschlichen Lebens auf, von der Ethik des Einzelnen bis hin zu kulturellen Werten, aber auch staatliches Handeln, internationale Geschäftspraktiken und Wirtschaft. Über folgende Aspekte muss nachgedacht werden:

Heilende Gemeinschaften und Menschen, die unter HIV/AIDS leiden 
HIV/AIDS und die Rolle der Pfarrer/innen; Lehrpläne für die theologische Ausbildung 
Der Einfluss kultureller Traditionen (insbesondere im Blick auf das Verhältnis von Frauen und Männern!) auf die Verbreitung von HIV/AIDS 
HIV/AIDS, Mission und Gottes Gerechtigkeit 
Solidarität mit Menschen, die von der Pandemie betroffen sind, und öffentliches Eintreten für sie 
HIV/AIDS und das Weltwirtschaftssystem

Die Konferenz wird dafür Sorge tragen, dass Netzwerke, die mit HIV/AIDS-Initiativen verbunden sind, zusammenkommen können. Einen besonderen Schwerpunkt wird die heilende Mission der Kirchen in Afrika bilden (Ökumenische HIV/AIDS-Initiative in Afrika). Die vorstehend aufgezählten Fragen dienen lediglich als Beispiel für Probleme, die zur Sprache gebracht werden könnten.

Der versöhnende Dienst der Kirche in einer Welt voller Gewalt

Dieser Teil der Konferenz ist am engsten mit der Dekade zur Überwindung von Gewalt (DOV) verbunden. Das Schwergewicht ist auf folgende Bereiche zu legen:

Erkennen, was in gesellschaftlichen und politischen Versöhnungsprozessen, in denen etwas anderes als zwischenmenschliche Versöhnung erforderlich ist, geschieht und geschehen muss 
Nachdenken über die Rolle der Kirchen in Konfliktsituationen (einschließlich der ethnischen Konflikte der jüngsten Zeit); hier muss auch über Buße, Vergebung, Wiedergutmachung und Heilung der Erinnerungen gesprochen werden. 
Entdecken der besonderen Aufgaben christlicher Mission bei der Versöhnung und Heilung der Erinnerungen 
Untersuchen, in welchem Verhältnis Missionstheologie und Arbeitsweise der Mission zur Zunahme oder Abnahme von Gewalt in Konflikten zueinander stehen.