Konferenz für Weltmission und Evangelisation


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von Friedrich Degenhardt

"Kreuz der Versöhnung" - Von Jerusalem über Athen in die ganze Welt



Das Kreuz wird aufgerrichtet

von Friedrich Degenhardt

Ein symbolischer Akt zur Eröffnung der 13. Weltmissionskonferenz am Dienstag, 10. Mai, erinnerte an den historischen und weltpolitischen Rahmen, in dem sich knapp 700 Delegierte aus aller Welt und allen großen Kirchenfamilien auf Einladung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) versammelt haben.

Ein Holzkreuz aus Jerusalem wurde in einem kleinen Fischerboot zu den Klängen orthodoxer Gesänge vom Ägäischen Meer her am Anleger des Konferenzzentrums Agios Andreas bei Athen, in dem vom 9.-16. Mai die Konferenz für Weltmission und Evangelisation stattfindet, an Land gebracht.

Das Fischerboot mit dem Kreuz aus Jerusalem ist eine Erinnerung daran, dass der Apostel Paulus im ersten Jahrhundert per Boot von Jerusalem her nach Athen kam, um die christliche Botschaft auszubreiten.

Das fünf Meter hohe Kreuz ist eine Gabe der Oberhäupter aller Kirchen in Jerusalem. Es wurde von christlichen Handwerkern in Bethlehem aus kleinen Schindeln aus dem Holz von Ölbäumen zusammengesetzt, die abgeholzt wurden, um den Weg für den Weiterbau des so genannten "Sicherheitszauns" frei zu machen.

Peter Ashton, ein Franziskaner der in Israel und Palästina lebt, sagte in dem Grußwort, das er von den Jerusalemer Kirchen überbrachte: "Je stärker unser gemeinsames Zeugnis ist, desto größer ist die Kraft des Kreuzes, Männer und Frauen zu Christus zu ziehen, durch den die Welt Heilung und Versöhnung empfängt." Er bat um die Unterstützung der Christen auf der ganzen Welt für das "lebendige Zeugnis" der Christen im Heiligen Land.

Mit einem Gebet - das Thema der Konferenz - nahmen die Delegierten das Jerusalemer Kreuz in Empfang: "Komm, Heiliger Geist, heile und versöhne!" Zwölf weitere Gebetsrufe erinnerten danach an die 95-jährige wechselvolle Geschichte der Weltmissionskonferenzen: "Herr, hilf uns gedenken deiner machtvollen Taten." Vom optimistischen Anfang in Edinburgh, Schottland, 1910, über die neu beginnende Partnerschaft nach zwei Weltkriegen in Whitby, Kanada, 1947 und Willingen, Deutschland, 1952, bis zu neuen sozialen und kulturellen Aufbrüchen in Bangkok, Thailand 1972-73, und Salvador, Brasilien, 1996.

Der anglikanische Bischof Riah Abu Al-Assal von Jerusalem und dem Heiligen Land lud die Delegierten aus den verschiedenen Kirchenfamilien ein, im Geist der Konferenz gemeinsam nach Jerusalem zu pilgern. "Es gibt keine Hoffnung, die Welt zu versöhnen, wenn wir uns nicht zuvor untereinander versöhnen", sagte er in der ersten Ansprache der Athener Weltmissionskonferenz.

"Das Herzstück unserer Mission ist die Versöhnung mit Gott und untereinander", so fasste Bischof Riah Abu Al-Assal das Leitbild christlicher Mission im 21. Jahrhundert zusammen. Dazu gehöre auch das Ringen um Gerechtigkeit. "Gott hat nicht den Politikern das Amt der Versöhnung anvertraut, sondern uns. Lasst uns beten, dass wir uns ihm würdig erweisen."

Die Weltmissionskonferenz dient dem Austausch zwischen orthodoxen, katholischen, anglikanischen, evangelischen, pfingstkirchlichen und evangelikalen Christen, die aus Kirchen in Nord- und Südamerika, Afrika, Europa und Asien kommen, um Erfahrungen auszutauschen, die sie jeweils mit "Gottes Mission" unter den Menschen gemacht haben.

Im Mittelpunkt von mehr als 60 Synaxeis (Workshops) stehen Fragen wie z.B. nach der Möglichkeit, in den unterschiedlichen christlichen Gemeinschaften persönliche Heilung zu erfahren, oder danach, wie in einer gespaltenen Gesellschaft durch das Wirken christlicher Gemeinden Versöhnung gefördert werden kann. Neue Impulse kommen dabei vor allem aus Lateinamerika, Afrika und Asien. Der Schwerpunkt des Christentums hat sich - schon rein demographisch - von Europa auf die Südhalbkugel verlagert, sagt ÖRK-Generalsekretär Samuel Kobia.

Kobia wird am Sonntag, 15. Mai, die Abschlusspredigt der Weltmissionskonferenz "in den Fußstapfen des heiligen Paulus" halten. Die Konferenz endet dann mit einer Aussendung der Delegierten in ihre Heimatkirchen vom Areopag in Athen, wo Paulus den Athenern die christliche Botschaft verkündigte. [568 Wörter]

(*) Friedrich Degenhardt ist Theologe und Journalist (DJV) und arbeitet z.Zt. als Sondervikar der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (Deutschland) in der Pressestelle des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf.

Der vollständige Text der Predigt von Bischof Riah Abu Al-Assal