Konferenz für Weltmission und Evangelisation


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Romans 10,17 and 12,1-21

Konstantin Nikolakopoulos

So gründet der Glaube in der Botschaft, die Botschaft im Wort Christi.

Angesichts des Erbarmens Gottes ermahne ich euch, meine Brüder, euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist für euch der wahre und angemessene Gottesdienst. Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist. Aufgrund der Gnade, die mir gegeben ist, sage ich einem jeden von euch: Strebt nicht über das hinaus, was euch zukommt, sondern strebt danach, besonnen zu sein, jeder nach dem Mass des Glaubens, das Gott ihm zugeteilt hat. Denn wie wir an dem einen Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder denselben Dienst leisten, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, als einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören. Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben; hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der lehre; wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne. Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken; wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein; wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig. Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet! Helft den Heiligen, wenn sie in Not sind; gewährt jederzeit Gastfreundschaft! Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht! Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden! Seid untereinander eines Sinnes; strebt nicht hoch hinaus, sondern bleibt demütig! Haltet euch nicht selbst für weise! Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht! Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden! Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern lasst Raum für den Zorn (Gottes); denn in der Schrift steht: Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr. Vielmehr: Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen, wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken; tust du das, dann sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt. Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!

Das Thema

Der Glaube, der aus dem Gehörten und der Beherzigung dieser Verkündigung kommt, hat als Konsequenz die Verbrüderung, Verstärkung und gegenseitige Solidarität innerhalb der Gemeinde und darüber hinaus.

Interpretation und Reflektion

Paulus wendet sich in seinem berühmten Römerbrief zugleich an zwei Gruppen der damaligen römischen Gemeinde: an Judenchristen und Heidenchristen. Mit seinen hoch theologischen Ausführungen ist er bemüht, beiden Gruppierungen die wichtigste Erfahrungsquelle des christlichen Glaubens aufzuzeigen: das gehörte Wort (Röm 10,17), die Verkündigung, das Kerygma. Egal ob die privilegierten Judenchristen ihre grundlegendsten Glaubensansätze durch ihre Vorväter und die Propheten geerbt haben oder ob die Heidenchristen den Glauben durch die nachgeholte Evangelisation erfahren haben; beiden ist der heilbringende Glaube durch das verkündigte Wort widerfahren und bekannt geworden.

Quelle und Hauptursache des Glaubens ist zwar in einer ersten Phase das gehörte Wort, die Verkündigung; das Wort selbst reicht aber dagegen nicht aus, um die Rettung herbei zu führen. Das gehörte Wort, das von Paulus als "das Wort Christi" bezeichnet wird, stellt einerseits die Einladung oder die Berufung Jesu Christi an jeden Menschen dar. Und bei dieser Berufung sind Judenchristen und Heidenchristen - aber auch in unserer modernen Gesellschaft alle Menschen - gleich untereinander. Paulus unterstreicht diese Wahrheit glasklar: "Es ist ja kein Unterschied zwischen Jude und Grieche. Denn es ist ein und derselbe Herr für alle, der alle reich macht, die ihn anrufen" (Röm 10,12). Andererseits ist aber die Erwiderung des Menschen der Verkündigung gegenüber von enorm wichtiger Bedeutung. Gerade diese Erwiderung des Menschen wird von Paulus als "Gehorsam" bezeichnet und in direkte Verbindung mit der eschatologischen Rettung gebracht (Röm 10,16). Man muss sich im Gehorsam dem Evangelium übergeben, um ein Teil der Kirche zu werden, die den Leib Christi ausmacht (Röm 12,5).

Die unmittelbare Konsequenz des bewusst gelebten Glaubens spiegelt sich in der organisierten Gemeinde wider. Die Gemeinde stellt in der orthodoxen Ekklesiologie die lebendigste Zelle dessen, was wir Kirche nennen, dar. Dieses schöne biblische Bild bietet uns Paulus im 12. Kapitel seines Römerbriefes an: "Denn wie wir an dem einen Leib viele Glieder haben, die Glieder aber nicht alle den gleichen Dienst verrichten, so sind wir, die Vielen, ein Leib in Christus, einzeln aber sind wir füreinander Glieder" (Röm 12,4-5).

Durch das Gehörte Wort (Verkündigung) Jesu Christi werden wir aufgerufen, Ihm Folge zu leisten. Genau durch dieses Aufrufen (Griechisch: ek-kalein) kommt uns Christen die Substanz der Kirche (Griechisch: Ek-klesia) zu. Das Aufrufen, die Einladung unseres Herrn setzt sich auch innerhalb der Kirche, der Gemeinde fort. Das 12. Kapitel des Römerbriefes stellt uns eine eindrucksvolle Aufeinanderfolge von Kerygma und Gemeindefunktion vor, indem es sich inhaltlich dem 10. Kapitel einwandfrei anschliesst. Dieser Teil trägt den eindeutigen Charakter einer Paränese oder Paraklese, die auf dem gehörten Wort aufruht und die Konsequenz des Glaubens an dieses kerygmatische Wort darstellt.

In der paulinischen Gemeindetheologie spielt jedes Glied eine besondere Rolle. Jeder Christ kann seine eigenen Dienste, je nach Eigenschaft und Talent, dem Gemeindeleben offerieren (Röm 12,6-8), vorausgesetzt, jeder "wandelt sich" und "lässt sein Denken neu werden" (Röm 12,2). Diese von Paulus angemahnte und geforderte geistige Metamorphose des Menschen sollte immer ein Ziel haben: "was der Wille Gottes ist, was gut und wohlgefällig und vollkommen".

Nach den ersten 8 Versen des 12. Kapitels, in denen die geistigen Richtungen der nachfolgenden Paränesen angegeben werden und die als eine Art Einführung und zugleich Fazit des ganzen Kapitels fungieren könnten, begibt sich Paulus in die analytische Darstellung des von ihm erwünschten Gemeindelebens. Obwohl der ganze Abschnitt Röm 12,9-21 ein schönes Mosaik von tugendhaften Mahnungen bildet, lässt sich der Anspruch der Agape (=Liebe) von Anfang an unmissverstehbar erkennen. Der Vers 9a dürfte sogar als die Überschrift des ganzen folgenden Teils gelten: "Die Liebe sei ohne Heuchelei."

Der Grundzug des christlichen Gemeindelebens wird im Abschnitt 12,9-21 stark dokumentiert. Paulus bietet uns eine Reihe von praktischen Mahnungen, die nicht nur der römischen Gemeinde zu gelten haben, sondern einen klaren diachronischen Charakter besitzen. Um die Liebe zu praktizieren, sollte man verschiedene weitere Tugenden reaktivieren, so wie Bruderliebe, Ehrerbietung (12,10), Hoffnung, Geduld, Gebet (12,12), Gastfreundschaft (12,13), Segnen und Güte (12,14), Beistand den Anderen (12,15), Eintracht und keine Hochmutsgefühle (12,16), keine Vergeltung und Rache, sondern Frieden und Versöhnung mit dem Guten (12,17-21).

Selbstverständlich ist es bezeichnend, dass ein Teil der ausgesprochenen Mahnungen des Römerbriefes sich auf die innere Situation der Gemeinde und ein anderer Teil auf ihr Verhältnis zu den Nicht-Christen bezog. Der Apostel mahnt die Christen zur leibhaftigen Selbsthingabe, mit anderen Worten zum lebendigen, heiligen, Gott wohlgefälligen Opfer und konsequenterweise zur praktischen Anwendung dieser geistlichen Umwandlung an den Nächsten. Die menschlichen Beziehungen bedürfen eines ständigen Heils und einer dauerhaften Versöhnung. Und diese zwei grossen Zielvisionen (Heil und Versöhnung) sollten christlicherseits sowohl uns Christen untereinander als auch unsere nichtchristlichen Mitmenschen als Endempfänger haben. Die im Laufe der Jahrhunderte verletzten innerchristlichen Beziehungen, die zu so vielen Spaltungen geführt haben, brauchen Heil und Versöhnung als Gegenmittel. Aber nach einem wiederhergestellten Bild des zersplitterten ökumenischen Christentums sollten sich alle Christen intensiv um die Heilung ihres Verhältnisses und um die Versöhnung mit den anderen Bürgern dieses Planeten kümmern, die sich die christliche Botschaft nicht unbedingt zu eigen gemacht haben.

Methodologisches Material

  1. Folgende Diskussionsthemen könnten in einer Gruppe erörtert werden:
Theologische und gesellschaftlich-soziologische Bedeutung des Begriffs "Kirche"
Kirche der himmlischen ("triumphierende") und der irdischen Glieder ("kämpfende")
Organisation einer christlichen Gemeinde
Moderne Adressaten der christlichen Evangelisation
Wo sollte die Missionierung und wo die Evangelisierung oder Neu-Evangelisierung eingesetzt werden?
Besinnung auf die innerchristlichen Differenzen und Entdeckung der ökumenehemmenden Ansichten der verschiedenen Gruppen
Wie kann der christliche Gehorsam verstanden und praktiziert werden
Geistlicher Vater - Gehorsam - Orthodoxes spirituelles Leben
Theologische Fundierung und Bedeutung der Rettung jedes Menschen aus orthodoxer Sicht
Symbiose innerhalb der Gemeinde (Anwendung der erwähnten Tugenden in verschiedenen Situationen)
Das christliche Verhältnis zu den Nicht-Christen

2. Folgende reale Situationen könnten in einer Gruppe erörtert werden:

Die orthodoxe und römisch-katholische Version des Christentums
Das orthodoxe Griechenland und seine kleine protestantische Minderheit
Neue Entwicklung im westeuropäischen Christentum: die neuansiedelnde Orthodoxie im 20. Jahrhundert
Alte Traumata - Neue Heilungsversuche: Kirchenschisma (1054), Vierter Kreuzzug (1204)
Das jahrhundertealte Zusammenleben zwischen orthodoxen und Juden (z.B. in Griechenland)
Orthodoxe Tradition in einem muslimischen Land: Das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel im türkischen Istanbul
Versöhnendes Zusammenleben zwischen den drei grossen monotheistischen Religionen

3. Folgende Illustrationen könnten im Zusammenhang hilfreich sein:

Begegnung eines bewussten Christen mit einem gutwilligen Heiden (illustriertes Beispiel: Apostelgeschichte 8,26-39)
Situation eines Christen vor der Beichte - notwendige Versöhnung mit seinen Gegnern (illustriertes Beispiel: Matthäus 5,23-26)