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13.05.05 15:02 Alter: 7 yrs

Weltmissionskonferenz: Aids ist keine Strafe für Sünde

Athen (epd). Auf der Weltmissionskonferenz in Athen ist die Aids- Seuche als eine der größten Herausforderungen für die Kirchen im 21. Jahrhundert bewertet worden. Aids sei keine Strafe für Sünden, betonten Kirchenvertreter am Freitag auf der in Nähe der griechischen Hauptstadt tagenden Konferenz mit rund 700 Teilnehmern aus etwa 100 Nationen. Christen hätten die Aufgabe, Aidskranke vor Diskriminierung jeder Art zu schützen.

Die globale Aids-Seuche übersteige die menschliche Vorstellungskraft, warnte der Weltkirchenrat. Schätzungen zufolge würden im Jahr 2010 rund 100 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert sein, hieß es. Der Verlust an Menschenleben zerstöre die Infrastruktur von ganzen Nationen, vor allem in Afrika. Von 14.000 Menschen, die jeden Tag infiziert werden, leben den Angaben zufolge 85 Prozent in Entwicklungsländern. Der Weltkirchenrat engagiert sich mit der ökumenischen HIV/AIDS-Initiative (EHAIA) in Afrika.

Für ein neues Verständnis von Heilung bei chronischen Krankheiten und seelischen Krisen warb die Philosophieprofessorin und frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Schuchardt (Hannover). "Heilsein ist mehr als Gesundsein", sagte Schuchardt vor rund 500 Delegierten aus nahezu allen christlichen Traditionen. Krisen seien eine Gefahr und Chance zugleich. Sie böten die Möglichkeit zu innerem Wachstum. Schuchardt war Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und ist beratend im Weltkirchenrat tätig.

Auf der Weltmissionskonferenz wurde zugleich vor einem zunehmenden Materialismus gewarnt. "Kreditkarten, die neueste Technik und ausufernder Konsum machen auf Dauer nicht glücklich", betonte der römisch-katholische Theologe Bernard Ugeux. Dies zeige der steigende Gebrauch von Schmerzmitteln und eine größer werdende Zahl von Suiziden in den wohlhabenden Gesellschaftsschichten. Ugeux ist Direktor des katholischen Instituts in Toulouse (Frankreich).

Die Themen Heilung und Versöhnung stehen im Mittelpunkt der am Pfingstsonntag zu Ende gehenden sechstägigen 13. Weltmissionskonferenz. Das Christentreffen wird vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) in Genf organisiert. Es dient dem Austausch zwischen orthodoxen, katholischen, anglikanischen, protestantischen, pfingstkirchlichen und evangelikalen Christen aus Nord- und Südamerika, Afrika, Europa und Asien.

Zum ersten Mal seit fast hundert Jahren arbeiten bei einer Weltmissionskonferenz römisch-katholische, evangelikale, pfingstkirchliche und charismatische Christen vollberechtigt mit. Die erste Weltmissionskonferenz 1910 im schottischen Edinburgh gilt als Beginn der ökumenischen Bewegung. Die Athener Konferenz findet rund 30 Kilometer von der griechischen Hauptstadt in einem Freizeitzentrum des griechischen Militärs statt. (05432/13.5.2005)