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Jesaia 11, 1-9; Ezechiel 36,24-28

Kyung-Taek Ha

Und ein Spross wird hervorgehen aus dem Stumpf Isais, und ein Schössling aus seinen Wurzeln wird Frucht bringen. Und auf ihm wird ruhen der Geist des JHWHs, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und Furcht des JHWHs; und er wird sein Wohlgefallen haben an der Furcht des JHWHs. Er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, und nicht zurechtweisen nach dem, was seine Ohren hören, sondern er wird die Geringen richten in Gerechtigkeit und die Elenden des Landes zurechtweisen in Geradheit. Und er wird den Gewalttätigen schlagen mit dem Stab seines Mundes und mit dem Hauch seiner Lippen den Gottlosen töten. Gerechtigkeit wird der Schurz seiner Hüften sein und die Treue der Schurz seiner Lenden. - Und der Wolf wird beim Lamm weilen und der Leopard beim Böckchen lagern. Das Kalb und der Junglöwe und das Mastvieh werden zusammen sein, und ein kleiner Junge wird sie treiben. Kuh und Bärin werden miteinander weiden, ihre Jungen werden zusammen lagern. Und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. Und der Säugling wird spielen an dem Loch der Viper und das entwöhnte Kind seine Hand ausstrecken nach der Höhle der Otter. Man wird nichts Böses tun noch verderblich handeln auf meinem ganzen heiligen Berg. Denn das Land wird voll von Erkenntnis des JHWHs sein, wie von Wassern, die das Meer bedecken. (Der Text aus der revidierten Elberfelder Bibel [1993] mit Veränderung der Gottesbezeichnung von HERR zu JHWH, Jes 11,1-9)

Und ich werde euch aus den Nationen holen und euch aus allen Ländern sammeln und euch in euer Land bringen. Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von all euren Unreinheiten und von all euren Götzen werde ich euch reinigen. Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut. Und ihr werdet in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe, und ihr werdet mir zum Volk, und ich, ich, werde euch zum Gott sein. (Text aus der revidierten Elberfelder Bibel [1993, ]Ez 36,24-28)

Jesaia 11,1-9

Frage 1: Einleitung (worum handelt es sich?)

Jes 11,1-9 ist ein bekannter Text und beinhaltet mit Jes 9,1-6 messianische Weissagungen. In Jes 11,1-9 kommt die Hoffnung auf Gerechtigkeit und einem Friedensreich vor, dass durch einen zukünftigen (Welten)herrscher, dem "Messias", zustande kommen wird. Meistens spricht man bei diesem Text von einer eschatologischen Erwartung. Aber was verbirgt sich hinter dem Begriff "Eschatologie"? Es geht hier nicht um eine Jenseitsvorstellung, sondern um die Erwartung einer zukünftigen Heilszeit. Es ist eine im Vergleich zur Gegenwart veränderte Zukunft, die sich durch die Herrschaft eines neuen Herrschers vollzieht. Aber auch wenn sie als ein Zukunftsversprechen erscheint, so hat sie schon beginnende Auswirkungen in diesem Diesseits.

Frage 2: Texterklärung (Was bedeutet was?)

  1. In Jes 11,2 zeigt sich das Wesen eines erwartenden Herrschers. Der neue Herrscher ist nicht durch einen adeligen Stammbaum wie das eines Königs qualifiziert, sondern durch den Geist YHWHs. Hier werden drei Eigenschaftspaare aufgezählt, die ihn näher qualifizieren: Weisheit und Verstand, Rat und Kraft, Erkenntnis und JHWH-Furcht. Die ersten zwei Eigenschaftspaare können auch übliche Qualitäten für einen idealen König sein. Er bedarf diese Elemente zur rechten Ausübung seines Amtes. Für das richterliche Amt des Königs werden dann die Eigenschaften der Weisheit und des Verstandes in Anspruch genommen (z.B. bei Salomo in 1 Kön 3,9). Zur Erledigung seiner inneren und äusseren Regierungsgeschäfte bedarf der König diese Fähigkeit (wie Rat und Kraft), um Situationen erfassen, Pläne aufstellen und die entsprechenden Entscheidungen treffen zu können. Die Besonderheit des zukünftigen Herrschers befindet sich in dem dritten Eigenschaftspaar. Dieses Wortpaar gehört nicht zu den Elementen der traditionellen Königsideologie. Es ist die Erkenntnis und JHWH-Furcht. Sie beschreibt die wesentliche Lebenspraxis zu JHWH. Z.B. bezeichnet der Prophet Hosea die Gotteserkenntnis als den entscheidenden Vorgang in der Beziehung zwischen Mensch und Gott (vgl. Hos 2,22; 4,1-6; 6,6). Und in der israelischen Weisheit wird die JHWH-Furcht als die Grundlage alles menschlichen Verhaltens dargestellt (vgl. Prv 1,7; 9,10; 15,33; Hi 28,28). Hier finden sich die Worte Erkenntnis und JHWH-Furcht in der engsten Verbindung. So kann man davon ausgehen, dass der neue Herrscher nicht nur den Willen Gottes kennt, sondern ihn auch in der Gottesfurcht kraft seines Amtes ausübt.
  2. In Jes 11,3-5 wird die Wirkung des erwarteten Herrschers beschrieben. Wer in der Wirkung des Jahwesgeistes seine Herrschaft ausübt, ist ein Herrscher, der für Gerechtigkeit sorgt. Er regiert sein Reich in ganz anderer Weise, als Menschen es tun würden. Er ist nicht angewiesen auf das, was seine Augen sehen und seine Ohren hören. Hier erscheint eine Umwandlung des Gebrauches von Kraft. Die Kraft des zukünftigen Herrschers kommt nicht mehr zu militärischen Zwecken in Gebrauch, sondern zur Verwirklichung der Gerechtigkeit. Seine Gerechtigkeit setzt sich darin um, den Schwachen zu ihrem Recht zu verhelfen. Entsprechend der alttestamentlichen Gottesvorstellung tritt er als ein Anwalt der Kleinen (vgl. Ps 9,10; 68,6; Hi 5,15f.) für das Recht der Kleinen und Geringen ein. Auffällig vollzieht sich seine Aufgabe mit dem "Stab seines Mundes" und dem "Hauch seiner Lippen." Die metaphorischen Ausdrücke offenbaren die Vollmacht und Autorität der Worte des neuen Herrschers. Die Aspekte seines Wortes werden im Kontext seiner prophetischen Handlungen deutlich: Durch das Wort des (Propheten)mundes tötet JHWH die Frevler (Hos 6,5). JHWH hat den Mund seines Knechts wie ein scharfes Schwert gemacht (Jes 49,2). JHWHs Wort zerschmettert Felsen wie ein Hammer (Jer 23,29). Anders als bei einem gewöhnlichen König sind die Waffen des neuen Herrschers weder Schwert noch Speer, sondern die Macht seines Wortes. Dies kann aber nur dann geschehen, wenn sein Wort auf die Autorität Gottes beruht und er sich unter der Wirkung des Geistes JHWHs befindet. So sind Gerechtigkeit und Treue die Merkmale, an denen man ihn erkennen kann.
  3. In Jes 11,6-9 wird das Friedensreich als Folge der Auswirkungen des neuen Herrschers dargestellt. Es erscheint als das Ziel seiner Herrschaft. In der Beschreibung zeigt sich der Frieden zwischen Tier und Tier sowie zwischen Mensch und Tier. Die Auswirkungen seiner Herrschaft beziehen sich nicht nur auf den menschlichen Bereich, sondern dehnen sich auf den Bereich der gesamten Natur aus. Immerhin ist zu beobachten, dass die Darstellung des "Tierfriedens" keine idyllische Marginalie zu einem politischem Programm bildet, sondern wesentliche Elemente dieses Programms sind. Wobei die Eigentümlichkeit zu beachten ist, die in der Rolle und Relation von jedem Tier befindlich ist. Das Lamm gewährt dem Wolf Gastfreundschaft und der Leopard findet beim Böckchen einen Lagerplatz. Die wilden befreunden sich mit den zahmen Tieren. Und beide Arten werden von einem Kind geführt. Die Bilder zeigen nicht nur eine friedvolle Harmonie unter den Tieren bzw. unter den Menschen und Tieren, sondern sie zeigen auch die umgekehrten Verhältnisse zwischen den Schwachen und den Starken. Diese Umkehrung im Gegensatz zur gegenwärtigen Situation, zeugt sich auch im spielen des Säuglings und des entwöhnten Kindes mit der Schlange und dem Löwen, der wie das Vieh Stroh frisst. Hier finden sich Anknüpfungspunkte an die Urgeschichte (Gen 1-2), in der Mensch und Tier einander als Partner fungieren. Die menschliche Herrschaft über die Erde und Tiere vollzieht sich ohne Blutvergiessen. Beiden, Mensch und Tier wird nur die vegetarische Nahrung gereicht (Gen 1,29f.). So rufen die Bilder in V. 6-8 (vgl. auch Jes 65,25; Hos 2,20<18>) vom Aufhören des Fressen und Gefressen Werdens in einem ein Wünschen nach Wiederkehr der paradiesischen Welt hervor. Das Friedensreich verwirklicht sich also nicht darin, dass es die Feinde nicht mehr gibt, sondern darin, dass sich die Feindschaft zwischen den völlig verschiedenen Gruppierungen aufgelöst hat. Nicht die Ausrottung der wilden Tieren ist die Lösung, sondern der erhoffte Frieden durch gewollter Umsetzung. Darum erfährt und tut man keine Bosheit mehr auf dem heiligen Berg JHWHs. Dies ist das Kennzeichen der Erfüllung der Erkenntnis JHWHs.

Frage 3: Ziel (Was wird dann von uns erwartet?)

Der kommende Herrscher zeigt sich als Garanten der Gerechtigkeit, die sich durch ein eigenartiges Gefälle zu den Geringen und Schwachen zeigt. Ein Friedensreich zwischen Tier und Tier und zwischen Mensch und Tier wird als eine Manifestationen dieser Gerechtigkeit dargestellt. Der Friede setzt die Gerechtigkeit voraus, und die Gerechtigkeit richtet sich nach dem Frieden aus. Entscheidend ist hier aber wohl, wie sich das Friedensreich realisiert. Der Friede vollzieht sich nicht in der Vernichtung der Feinde, sondern im Aufhören der Feindschaft. Vor allem die Umwandlung der wilden Tieren (der Starken) ist die Vorbedingung für das Friedensreich. Grundmotive und leitende Intentionen des Friedensreiches haben soziale und politische Dimensionen. Die Frage nach der Realisierbarkeit dieser Erwartung scheint hier ausser Betracht. Nicht die Wirklichkeit, dass der Löwe wie das Rind Stroh fressen wird, ist die Frage, sondern in welcher Konstellation zwischen den Schwachen und Starken sich das Friedensreich manifestiert, und welche gegenwärtige Praxis jener Friedenshoffnung angemessen ist. Ja, der Indikativ der Verheissung muss in dem Imperativ der Entscheidung umgesetzt werden.

Ezechiel 36, 24-28

Frage 4: Einleitung (Worum geht es hier?)

Wegen der Unreinheit musste Israel aus seinem Land vertrieben werden. Aber die Tatsache der Vertreibung hat die Entheiligung des Gottesnamens unter den Heiden zur Folge gehabt. Nun beschliesst JHWH um seiner eigenen Ehre willen die Heimführung Israels. Dem Volk Israel gestattet JHWH eine neue Zukunft, obwohl es das nicht verdient hat.

Frage 5: Gebet (Wie kann eine neue Zukunft beginnen?)

Eine neue Zukunft beginnt mit der Erneuerung eines Volkes, dass ein dauerndes Bleiben im Lande gewährleistet. Die Erneuerung vollzieht sich in drei Phasen. 1) Die erste Phase ist die Reinigung von aller Unreinheit. Das Reinigungshandeln JHWHs wird wie ein kultischer Akt des Priesters (Lev 14,51f.; vgl. Nu 19) veranschaulicht. Durch die Besprengung des Reinigungswassers wird das einzelne Volksglied von aller Unreinheit gereinigt. 2) Die zweite Phase ist die Gabe des neuen Herzens und des neuen Geistes. Das neue Herz wird als ein fleischernes im Gegensatz zu dem steinernen Herzen beschrieben. Das bisher verhärtete Herz des Volkes verändert sich durch das Tun JHWHs zu einem neuen Herz, welches zum Hören und Lernen der Gebote Gottes gewillt ist. 3) Die dritte Phase ist die Geistausgiessung JHWHs. Damit vollendet sich die Erneuerung des Volkes. Der Geist Gottes ist eine erneuernde Kraft und lebenschaffende Macht (vgl. 1S 10,6f; Jes 32,15). Er führt den Menschen zur Einigung mit Gottes Wesen und Willen. JHWH schenkt im Innerem des Menschen seinen Geist, damit er ihm gehorchen kann. Nicht durch das einmalige Geschehen, sondern durch das dauernde Bleiben des Geistes wird menschliches Leben nach Gottes Geboten gestaltet (vgl. Jes 11,2). Dadurch wird auch eine wirkliche Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch wie in der Bundesformel möglich. So sollen wir um eine neue Zukunft beten: Komm, Heiliger Geist. Erneuere uns!


Anleitung zur Bibelarbeit

Die Bibelarbeit soll sich nach den Fragen in den Klammern gestalten. Die leitende Person kann die jeweiligen Fragen stellen und Abschnittsweise im Dialog mit den Teilnehmenden erklären. Nach der Frage 5 geht man von der Bibelarbeit zum Gebet um eine Geistausgiessung für einem neuen Anfang des Einzelnen oder der Gruppe über.